Lampenfieber vor dem Probespiel: Was ein Berufsmusiker gelernt hat
Im Übezimmer läuft die Stelle seit Wochen sauber. Dann stehen Sie hinter dem Vorhang, und plötzlich zittert der Bogen, der Ansatz wird unsicher, der Atem flach. Kaum eine Situation im Musikerleben ist so konzentriert wie ein Probespiel: wenige Minuten, eine Jury, ein Vorhang – und die Entscheidung über Jahre.
Ich spiele seit über 25 Jahren im Berner Symphonieorchester, habe selbst Probespiele gespielt und unzählige als Jurymitglied erlebt. Lampenfieber kenne ich also nicht nur aus der Praxis als Hypnosetherapeut, sondern von beiden Seiten des Vorhangs.
Was beim Lampenfieber passiert
Lampenfieber ist eine normale Stressreaktion. Der Körper bereitet sich auf eine wichtige Situation vor: Puls und Muskelspannung steigen, die Feinmotorik leidet. Ein gewisses Mass an Aufregung macht wach und präsent. Zum Problem wird es, wenn die Reaktion so stark ist, dass Sie Ihr Können nicht mehr abrufen.
Typisch sind:
zitternde Hände oder ein unruhiger Bogen
flacher Atem, trockener Mund, enger Hals
Gedächtnislücken bei vertrauten Stellen
Gedanken wie «Jetzt nur keinen Fehler», die die Aufmerksamkeit von der Musik wegziehen
Vorbereitung in den Wochen davor
Vorspielen üben, nicht nur spielen. Spielen Sie die Liste regelmässig vor Kolleg:innen, nehmen Sie sich auf, spielen Sie kalt ohne Einspielen. So wird die Ausnahmesituation vertraut.
Mentales Üben. Gehen Sie das Probespiel im Kopf durch, vom Einspielzimmer bis zum letzten Ton. Stellen Sie sich dabei vor, wie Sie ruhig und klar spielen.
Einen festen Ablauf entwickeln. Was tun Sie in den 30 Minuten davor? Ein wiederholbares Ritual gibt dem Nervensystem Halt.
Am Tag des Probespiels
Atmung vor dem Auftritt: länger aus- als einatmen, etwa vier Sekunden ein, sechs bis acht aus. Das senkt den Puls in wenigen Minuten.
Aufmerksamkeit auf die Musik richten: auf den Klang, die Phrase, den Charakter der Stelle. Nicht auf die Jury und nicht auf mögliche Fehler.
Fehler einplanen: Ein unsauberer Ton entscheidet selten ein Probespiel. Wie Sie danach weiterspielen, sehr wohl.
Wie Hypnose unterstützen kann
In der Hypnose spielen wir die Probespielsituation in einem ruhigen Zustand durch. Das Nervensystem lernt, dass es diese Situation sicher bewältigen kann. Sie bekommen eine kurze Selbsthypnose, die Sie im Einspielzimmer oder sogar auf dem Weg zur Bühne anwenden können. Auf Wunsch arbeiten wir auch direkt am Instrument.
Musiker:innen, die ich mit Hypnose auf ein Probespiel vorbereitet habe, erzählen mir oft, dass sie im entscheidenden Moment ausgesprochen fokussiert waren und ihre Konzentration ganz bei der Musik blieb.
Mehr dazu auf den Seiten Lampenfieber bei Musiker:innen und Probespielvorbereitung.
Im kostenlosen Erstgespräch besprechen wir Ihr Probespiel.

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