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Hilft Musizieren gegen Prüfungsangst? Was eine neue Meta-Analyse zeigt – und wo sie wackelt

Emanuel Bütler
15. Okt.
3 Min. Lesezeit

Eine neue Übersichtsstudie legt nahe: Wer regelmässig selbst musiziert, kann Prüfungsangst spürbar senken. Die Datenlage ist allerdings noch dünn. Als Bratschist im Berner Symphonieorchester und als Hypnosetherapeut in Bern kenne ich beide Seiten: die Musik als Ausgleich und die Angst vor dem entscheidenden Moment. Grund genug, die Studie genauer anzuschauen.


Was die Studie untersucht hat


Eine Forschungsgruppe aus China hat 10 kontrollierte Studien mit insgesamt 681 Schüler:innen und Studierenden zusammengefasst. Die Arbeit erschien am 20. August 2026 in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychology. Beteiligt waren eine pädagogische Hochschule und ein Musikkonservatorium.


Verglichen wurde, wie stark die Prüfungsangst mit und ohne musikbasiertes Programm sank. Darunter fallen zwei Arten: Musik hören (passiv) und selbst musizieren, singen oder improvisieren (aktiv).


Die Ergebnisse in Kürze


Im Durchschnitt sank die Prüfungsangst in den Musikgruppen deutlich stärker als in den Vergleichsgruppen. Entscheidend war offenbar, wie Musik eingesetzt wurde:


Bedingung

Wirkung auf die Prüfungsangst

Selbst musizieren (aktiv)

gross

Nur Musik hören (passiv)

eher klein

Programme ab 8 Wochen

gross

Programme unter 4 Wochen

eher klein

Sitzungen ab 60 Minuten

gross

Schüler:innen (Sekundarstufe)

grösser als bei Studierenden


Die Autor:innen sehen Musik deshalb als vielversprechende, medikamentenfreie Ergänzung, etwa in der schulischen Gesundheitsförderung.


Wo die Studie wackelt


So ermutigend die Zahlen klingen: Die Studie selbst gibt Anlass zur Vorsicht.


  • Wenig Daten: Zehn Studien sind wenig. Manche Unterschiede beruhen auf nur zwei oder drei Untersuchungen.

  • Sehr unterschiedliche Studien: Die einzelnen Ergebnisse streuen stark. Ein Durchschnitt sagt dann wenig über den Einzelfall.

  • Möglicher Publikationsbias: Studien mit positiven Ergebnissen werden eher veröffentlicht. Die Auswertung zeigt Hinweise darauf.

  • Kaum Verblindung: Teilnehmende wussten meist, in welcher Gruppe sie waren. Erwartungen können das Ergebnis färben.


Mein Fazit: Die Richtung ist plausibel, die genaue Stärke der Wirkung bleibt offen.


Meine Einordnung aus der Praxis


Dass aktives Musizieren stärker wirkt als blosses Zuhören, überrascht mich nicht. Wer spielt, ist mit Atem, Körper und Aufmerksamkeit ganz im Moment. Das Gedankenkarussell vor der Prüfung hat dann weniger Platz.


Ich kenne das aus meinem eigenen Alltag als Musiker: Beim Üben konzentriere ich mich ganz auf das, was ich gerade übe. Andere Gedanken treten in den Hintergrund. Das gibt mir Sicherheit. Wie ich mit der Nervosität vor dem Auftritt umgehe, beschreibe ich im Beitrag Lampenfieber vor dem Probespiel.


In der Hypnosetherapie arbeite ich mit ähnlichen Bausteinen: gelenkte Aufmerksamkeit, ruhiger Atem, innere Bilder. Wichtig ist mir die Abgrenzung: Hypnose wurde in dieser Studie nicht untersucht. Die Gemeinsamkeiten sind ein Gedanke aus der Praxis, kein Wirksamkeitsnachweis.


Auch Musik ist kein Ersatz für Hilfe, wenn die Angst sehr stark ist oder lange anhält. Dann lohnt sich eine Abklärung bei einer Fachperson.


Was Sie mitnehmen können


  • Selbst spielen statt nur hören: Instrument, Chor oder einfach Singen – aktiv wirkt laut Studie stärker.

  • Regelmässig statt kurz vor der Prüfung: Die grössten Effekte zeigten sich über mehrere Wochen.

  • Zeit am Stück: Längere Einheiten schnitten besser ab als kurze Pausen mit Musik.

  • Ohne Leistungsdruck: Musik als Ausgleich, nicht als zusätzliche Prüfung.

  • Hilfe holen, wenn nötig: Bei starker Angst ist fachliche Begleitung sinnvoll. Mehr dazu in meinem Beitrag Blackout in der Prüfung: Was wirklich hilft.


Mehr dazu auf der Seite Hypnose bei Prüfungsangst. Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, was Ihnen hilft.



Quelle

Zou H., Liu C., Luo J., Chen Y., He Y., Liu Y. (2026): Effects of music-based interventions on test anxiety in students: a systematic review and meta-analysis. Frontiers in Psychology, 17. Veröffentlicht am 20. August 2026.

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